Pro-Kreml-Medien sabbern über die Bundestagswahl
Pro-Kreml-Medien richten ihre Aufmerksamkeit auf die bevorstehende Bundestagswahl in Deutschland, wobei ihre Narrative Spannungen und Spaltung in der Gesellschaft schüren. Die Muster, die wir in unserem jüngsten Artikel hervorgehoben haben, setzen sich fort und erinnern an das, was wir während der Olympischen Spiele und der Europawahlen beobachtet haben: Taktiken wie die Doppelgänger-Kampagne, das Ausnutzen der Glaubwürdigkeit seriöser Medien und die Verleumdung prominenter politischer Führungspersönlichkeiten mit gefälschten Videos, Social-Media-Posts und anderen Falschmeldungen.
Einmischer werfen anderen Einmischung vor
Eine solche Operation umfasste einen Beitrag auf X am 28. Januar mit manipulierten Videos und einem Bild, das legitime Nachrichtenmedien imitierte. Diese behaupteten fälschlicherweise, dass die Parteien CSU und Freie Wähler Medien zensieren und in die Wahl eingreifen würden. Die Videos, die von dem wahrscheinlich nicht authentischen X-Account @Olamilekanjose5 gepostet wurden, behaupteten, dass YouTube den T-Online-Kanal unter politischem Druck gesperrt habe, dass Hacker mit Verbindungen zu den Freien Wählern Metas Anzeigensystem manipuliert hätten und dass die CSU täglich 230.000 € für DDoS-Angriffe ausgebe. Zudem kursierten gefälschte Titelseiten von Zeitungen im Netz, die fälschlicherweise behaupteten, die Wahlen seien „für Pädophile“. Diese Behauptung knüpfte an frühere Narrative an, die von Pro-Kreml-Medien verbreitet wurden, wonach die deutsche Regierung plane, Pädophilie zu legalisieren.
Nicht nur die Grünen als Zielscheibe
Innerhalb weniger Stunden wurde der Beitrag durch ein koordiniertes Netzwerk von mindestens 149 unechten Accounts verstärkt und erzielte in weniger als 24 Stunden über 16.500 Aufrufe. Die angewandten Taktiken – darunter das Imitieren seriöser Medien, die Segmentierung der Zielgruppe und die massenhafte Verstärkung durch Bots – entsprechen der „Matrjoschka“-Taktik, einer langjährigen pro-russischen Desinformationskampagne. Ursprünglich auf Angriffe gegen die deutschen Grünen ausgerichtet, hat diese neueste Welle von Fälschungen ihre Ziele auf andere Parteien ausgeweitet.
Kunst, Ukraine und erfundene Korruption
Zwei Tage später, am 30. Januar, zielte eine weitere verdeckte Operation auf die deutschen Wahlen ab – diesmal durch die Kombination erfundener Korruptionsvorwürfe mit anti-ukrainischen Narrativen. Eine deutschsprachige Website, nrtv.online, veröffentlichte einen Artikel und ein Video, in denen fälschlicherweise behauptet wurde, dass die Grünen-Politiker Robert Habeck und Claudia Roth in einen Skandal um verschwundene Gemälde aus der Berliner Gemäldegalerie verwickelt seien.
Der Artikel behauptete, dass nach einem Besuch deutscher und ukrainischer Beamter im Jahr 2024 durch Wasserschäden Inventarlisten zerstört worden seien, wodurch 50 wertvolle Kunstwerke verschwunden seien. Weiter hieß es, die Ukraine habe die Gemälde erworben und weiterverkauft, wobei der Vorfall mit Finanztransaktionen der Ukrainischen Nationalbank und des United24-Fonds in Verbindung gebracht wurde. Um die Glaubwürdigkeit zu untermauern, enthielt das Video eine anonyme „Galerie-Mitarbeiterin“, die vage Anschuldigungen äußerte – eine klassische Desinformationstaktik, um einer Überprüfung zu entgehen und gleichzeitig Authentizität zu suggerieren.
Eine weitere langlaufende Kampagne
Die Website, die den Artikel veröffentlichte, nrtv.online, ist selbst ein pro-russisches Desinformationsinstrument, das im November 2024 erstellt wurde und zuvor mit der „False Facade“-Kampagne in Verbindung gebracht wurde – einer langjährigen Einflussoperation, die vom Investigativmedium Correctiv aufgedeckt wurde.
Ein weiteres Beispiel für versuchte Einmischung, das die Taktiken der Doppelgänger-Kampagne nutzte, veröffentlichte eine gefälschte Geschichte auf einer typo-squatted Domain, die die Website von Der Spiegel imitierte. Die Geschichte behauptete, dass die grüne Energiepolitik deutsche Unternehmen ersticke, dass die Beziehungen zu Russland wiederhergestellt werden sollten, um günstige Energiequellen zurückzugewinnen, und dass die Spitzenkandidatin der Alternative für Deutschland (AfD) bereit sei, genau dies umzusetzen.
Staatliche Medien halten sich (einigermaßen) sauber
Diese verdeckten Einmischungsversuche unterschieden sich von den offiziellen russischen Staatsmedien darin, welche Narrative sie verbreiteten. Kreml-Propagandisten kennen ihr Publikum genau und legen Wert auf plausible Abstreitbarkeit. Während gefälschte Websites verdeckte Kampagnen verbreiteten, versuchten große Medienkanäle, sich als „faktische“ Berichterstatter zu präsentieren.
Doch selbst in staatlichen Medien wurde die russische Vorliebe für eine bestimmte Partei deutlich. Englischsprachige und deutschsprachige Artikel zitierten gezielt AfD-Vorschläge zur Aufhebung wirtschaftlicher Sanktionen und zur Reparatur der Nord-Stream-Pipelines. Eine russischsprachige TV-Reportage wiederholte diese Punkte und fügte hinzu, dass die AfD gegen eine NATO- und EU-Mitgliedschaft der Ukraine sei.
Nur eine antifaschistische Partei in Deutschland… Wirklich?
Gelegentlich konnten sich pro-russische Kommentatoren nicht zurückhalten. So veröffentlichte die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA eine Kolumne, die eine düstere Zukunft für Deutschland voraussagte und behauptete, die AfD sei die „einzige antifaschistische Partei“ in Deutschland, weil sie die Unterstützung für sogenannte „Kiewer Nazis“ einstellen wolle.
Die Dinge beim Namen nennen
Die positive Berichterstattung über die AfD wurde nur von der über Sahra Wagenknecht und ihr BSW-Bündnis übertroffen. Wagenknecht war beim Kreml in Ungnade gefallen, weil sie Putin einen Kriminellen genannt hatte. Doch mit den nahenden Wahlen haben sich pro-russische Medien wieder mit ihr angefreundet.
Sie berichteten ausführlich über ihre Aussage während einer Fernsehdebatte, in der sie behauptete, sie könne nicht in die Ukraine reisen, weil ukrainische Beamte ihr mit dem Tod gedroht hätten. Es war unklar, worauf sie sich bezog, aber pro-Kreml-Medien beeilten sich natürlich, die Behauptung zu verbreiten.
Ein Meinungsartikel in der deutschsprachigen Version von RT [Russia Today] fasste die pro-Kreml-Redaktionslinie zu den Wahlen zusammen: „Bisher gibt es nur zwei Parteien, die die Sanktionen infrage stellen: die AfD und das BSW (…) Alle anderen Parteien (…) wollen ‚weitermachen wie bisher‘ oder die Sanktionen sogar noch ausweiten, wie die CDU und CSU.“ Keine direkte Wahlempfehlung, aber sehr nah dran.
Pro-Kreml-Medien wie RT DE können sich als seriös und neutral ausgeben, aber es ist klar, wo ihre Loyalität liegt.
Lassen Sie sich nicht täuschen!