Pinocchio-Effekt
Putin unterbricht den Vortrag der afrikanischen Delegation und beginnt einen nervtötenden Monolog voller Lügen.
Im dieswöchigen Desinformationsbericht sehen wir uns unter anderem die irreführende Unterbrechung an, bei der Putin bildlich gesprochen eine lange Nase wuchs.
Eine Delegation afrikanischer Staats- und Regierungschefs aus Senegal, Ägypten, Sambia, Uganda, der Republik Kongo, den Komoren und Südafrika reiste nach Kiew und St. Petersburg, um zwischen der Ukraine und Russland zu vermitteln und „vertrauensbildende Maßnahmen“ zwischen beiden Ländern zu vereinbaren.
Die Delegation entging nur knapp den russischen Raketen, mit denen Kiew während ihres Besuchs beschossen wurde, und sah sich mit einer Besorgnis erregenden Präsentation von Desinformation und Abkehr von der Wahrheit durch die russische Führung konfrontiert.
Täuschungsmanöver
Wir berichteten letzte Woche, dass das französische Außenministerium neue brisante Beweise vorgelegt hat, die neue Elemente der anhaltenden russischen Informationsmanipulations-Operation „Doppelgänger“ innerhalb und außerhalb Europas aufdeckte.
Bei diesem Vorhaben verbreiten russische Propagandatreibende ihre Desinformation auf Online-Plattformen, die so gestaltet sind, dass sie Behörden und vertrauenswürdige Nachrichten-Websites nachahmen. Außerdem veröffentlichen sie fingiertes Material wie gefälschte Titelseiten von Massenmedien, um das Publikum in die Irre zu führen und die Glaubwürdigkeit und Legitimität etablierter Marken zu auszunutzen.
Wir erleben gerade, wie kremlfreundliche Desinformationskanäle, z. B. die staatlich kontrollierte russische Nachrichtenagentur TASS, laufend neue Wege suchen, ihre manipulativen Inhalte zu verbreiten.
Durch die Erstellung von Accounts auf Telegram auf Französisch und Spanisch versuchen sie offenbar, neue Zielgruppen zu erreichen. Außerdem handelt es sich dabei wahrscheinlich um einen weiteren Versuch, bestehende restriktive Maßnahmen in der EU für andere kremlfreundliche Kanäle wie RT und Sputnik zu umgehen und kremlfreundliche Desinformationsnarrative an ein Publikum in Mittel- und Südamerika sowie in französischsprachigen afrikanischen Ländern zu verbreiten.
Im Zusammenhang mit der Umgehung restriktiver Maßnahmen und dem Irreführen des Publikums wurden nach den Versuchen, den russischen Staatskanal RT France, der von der EU sanktioniert wird, als R7 Media neu zu vermarkten (ein Beispiel für derartige Aktivitäten ist hier zu finden), auf Twitter unter den Accountnamen R8 Media und R4 Media ähnliche Kanäle erstellt. Zwar mag sich das Aussehen ändern, doch Narrativ und Verhalten bleiben gleich – alle drei oben genannten Umfirmierungs-Accounts interagieren miteinander und verstärken gemeinsam kremlfreundliche Narrative.
Lügen haben kurze Beine
Eine Delegation afrikanischer Staats- und Regierungschefs mit Vertretern aus Senegal, Ägypten, Sambia, Uganda, der Republik Kongo, den Komoren und Südafrika besuchte letzte Woche Kiew und St. Petersburg. Das Ziel der Delegation war, mit Präsident Selenskyj und Putin zusammenzutreffen, um nach Möglichkeiten zu suchen, vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Kiew und Moskau zu vereinbaren.
Der Besuch der Delegation begann explosiv, als Russland erneut eine Salve Raketen auf Kiew abfeuerte, während die Delegation auf dem Weg dorthin war. Bei ihrem Treffen mit Putin in St. Petersburg konnten die Delegationsmitglieder jedoch unmittelbar einen weniger explosiven, aber ebenso destruktiven Aspekt des andauernden Krieges erleben – die schamlose und anscheinend unumkehrbare Abkehr der russischen Führung von der Realität.
Mitten während des Vortrags der afrikanischen Delegation demonstrierte Putin seine Geringschätzung, indem er den Vortrag mit einer herablassenden Predigt voller Lügen unterbrach.
Putins Unterbrechung enthielt reichlich hässliche kremlfreundliche Desinformationsausdrücke, die bereits mehrfach widerlegt wurden. Laut der Berichterstattung und offenbar ausgelöst durch eine Prämisse der international anerkannten Grenzen der Ukraine, behauptete Putin unter anderem weiterhin, dass der Krieg von der Ukraine und ihren westlichen Verbündeten ausgelöst worden wäre, dass der Westen für den weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise verantwortlich wäre und dass der Westen die Nahrungsmittelexporte aus den Häfen am Schwarzen Meer horte.
Wir von EUvsDisinfo haben diesen toxischen russischen Desinformationsnarrativen bereits mehrfach widersprochen. Eine gute Quelle ist unser Artikel „Zwölf Mythen über den Krieg Russlands in der Ukraine – und die Wahrheit“, in dem die typischsten russischen Lügen eine nach der anderen analysiert und widerlegt werden. Die EU hat auch eine in mehreren Sprachen erhältliche informative Ressource veröffentlicht, in der EU-Maßnahmen für mehr Ernährungssicherheit weltweit im Detail erläutert werden.
Salz in die Wunde streuen
Die imperialistischen Träume Russlands bezüglich der Ukraine erweisen sich immer häufiger als Luftschloss, da die ukrainischen Streitkräfte eine Stadt nach der anderen vom Terror der russischen Besatzung befreien. Dennoch ist die grausame Realität noch nicht bis zu den Oberen des Kremls durchgedrungen.
Indem Putin die riesigen Flaggen des Russischen Reichs und der Sowjetunion bewunderte, die am Tag des Treffens mit den afrikanischen Staats- und Regierungschefs gehisst wurden, zeigte er seine wahren Absichten und beleidigte die zu Besuch gekommene afrikanische Delegation erneut.
Während diese Flaggen Putin und seinen Gefolgsleuten einen schöngefärbten Blick auf Russlands Vergangenheit als „Großmacht“ bieten mögen, erinnern sie in Wahrheit zahlreiche Menschen im heutigen Russland und drumherum stark an die Schrecken des russischen Imperialismus, die Unterdrückung und die Besetzung.

Diese Woche ebenfalls auf dem Desinformations-Radar:
- Die Sanktionen des Westens greifen nicht. Das kremlnahe Ökosystem bemüht sich sehr, diesmal offenbar mithilfe generativer KI, uns davon zu überzeugen, dass die Sanktionen des Westens gegen Russland aufgrund des Angriffskrieges gegen die Ukraine nicht greifen. Dies wirft natürlich die folgende Frage auf: Wenn die Sanktionen keine Wirkung zeigen und insbesondere dem Westen mehr Schaden zufügen als Russland, warum werden dann die westlichen Länder von Russland gebeten, die Sanktionen aufzuheben? Mehr zur Kreml-Propaganda über westliche Sanktionen sind in unserem aktuellen EUvsDisinfo-Gastbeitrag zu finden.
- Kanada hat illegal ein russisches Transportflugzeug gestohlen, um es der Ukraine zu übergeben. Die Desinformanten von TASS gewinnen mühelos den Preis für den zynischsten und irreführendsten Beitrag der Woche. Es bedarf schon eines sehr großen Maßes an Heuchelei, um zu behaupten, dass Kanadas gesetzestreue Maßnahmen als Reaktion auf Russlands groß angelegte Invasion in der Ukraine einen Diebstahl darstellen würden. Vor allem, wenn man Russlands illegale Annexion von Teilen der Ukraine, den Diebstahl ukrainischen Getreides und von Ausrüstung aus den temporär besetzten ukrainischen Gebieten und die Beschlagnahmung westlicher Vermögenswerte in Russland berücksichtigt, um nur einige Beispiele zu nennen.
- Die EU-Mission in Armenien wurde erzwungen und hat nichts mit Frieden zu tun. Wie echte Imperialisten versuchten die russischen Propagandatreibenden, den Südkaukasus als ihren exklusiven Hinterhof darzustellen, während sie die derzeitige EU-Präsenz dort als Destabilisierungsfaktor bezeichneten. Im starken Gegensatz zu den Lügen der Propagandatreibenden wurde die zivile Mission der EU in der Region auf Ersuchen von Armenien entsandt. Sie steht in regelmäßigem Kontakt und Austausch mit den aserbaidschanischen Behörden. Ziel der Mission ist es, die Sicherheit von Menschen in von Konflikten erschütterten Gebieten zu erhöhen und dort Vertrauen aufzubauen.