Chefredakteurin: RT ist wie ein „Verteidigungsministerium“
Mangelnde Offenheit über die Art des Kanals, den sie im Namen der russischen Regierung leitet, kann man Margarita Simonjan, der Chefredakteurin von RT (Russia Today), nicht vorwerfen. Laut ihren eigenen Worten wird RT „aus denselben Gründen [benötigt], aus denen ein Land ein Verteidigungsministerium braucht“. RT ist in der Lage, mithilfe der „Informationswaffe“ einen „Informationskrieg gegen die gesamte westliche Welt zu führen“, so Simonjan. Ihren Worten zufolge ist das strategische Ziel von RT, zu „erobern“ und „sich eine Zielgruppe zu schaffen“, um den Zugang zu dieser in „kritischen Momenten“ nutzen zu können.
Office of Communications: RT ist unfair und parteiisch
Simonjans Aussagen wurden für einen aktuellen Artikel des Digital Forensic Research Lab des Atlantic Council ins Englische übersetzt. Das DFRLab zog zwei Interviews heran, die Simonjan 2012 der russischen Tageszeitung Kommersant bzw. 2013 dem russischen Online-Nachrichtenportal Lenta gab. Die allgemeine Botschaft der Chefredakteurin – dass die Mission von RT darin besteht, Information und Kommunikation für Zwecke zu nutzen, die üblicherweise dem Militär überlassen werden – entspricht Aussagen mit ähnlicher Transparenz, die von hohen politischen und militärischen Führungskräften in Russland gemacht wurden.
In dem DFRLab-Artikel werden auch Behauptungen von Simonjan und anderen Vertretern russischer Staatsmedien analysiert, laut denen RT angeblich nicht besser oder schlechter ist als andere Medienkanäle wie beispielsweise BBC. In seine Analyse hat das DFRLab eine Reihe von Entscheidungen der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom (Office of Communications) einbezogen, die belegen, dass RT systematisch die Mindeststandards für faire und unvoreingenommene Berichterstattung verfehlt und damit das Privileg, seine Arbeit als Journalismus zu bezeichnen, gefährdet.

RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan zusammen mit Präsident Putin bei der Feier des zehnjährigen Jubiläums von RT im Dezember 2015.
RT nutzte Informationen schon vor dem Konflikt in der Ukraine als Waffe
Es muss darauf hingewiesen werden, dass die beiden Interviews mit Simonjan bereits im April 2012 bzw. im März 2013 veröffentlicht wurden, d. h. bevor die russischen Staatsmedien immer drastischere Botschaften rund um den Ukrainekonflikt verbreiteten. Dieser Umstand zeigt, dass die Vorstellung, RT und ähnliche Kanäle seien Waffen der Regierung, nicht als Teil der Reaktion Russlands auf die Einschätzung, die Interessen des Landes in der Ukraine seien in Gefahr, gesehen werden kann. Was Simonjan über den Einsatz von Information und Kommunikation als Waffe sagt, bestätigt, dass dieser proaktive und strategische Ansatz bereits verfolgt wurde, weit bevor der Ukrainekonflikt bekannt wurde.
RT startete einen Kanal in Frankreich, zusätzlich zu seinen englischen, spanischen und arabischen Kanälen. Dass Simonjan dem russischen Präsidenten nahesteht, wurde am Freitag bestätigt, als bekannt wurde, dass ihr Name auf der Liste der 259 „vertrauenswürdigen Personen“ steht, die bei der russischen Zentralen Wahlkommission als Unterstützer von Wladimir Putins Kandidatur für eine vierte Amtszeit als russischer Präsident registriert sind, wie Wedomosti berichtete.
Unter diesem Link können Sie den vollständigen DFRLab-Artikel lesen.
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(Bilder: Wikimedia Commons)